Zahlreiche Gäste kamen auf Einladung der Abgeordneten Filiz Polat, der Kreistagsfraktion und der Stadtratsfraktion der Osnabrücker Grünen in die Lagerhalle, um sich über das Thema Inklusion zu informieren. Seit Anfang 2009 haben Kinder mit Benachteiligungen einen Rechtsanspruch, an regulären Schulen unterrichtet zu werden. Seitdem ist die UN-Behindertenrechtskonvention für Deutschland bindend. Ina Korter, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag stellte die Grüne Gesetzesinitiative vor, die derzeit im Landtag beraten wird.
Für Ina Korter ist der Antrag eine „Herzensangelegenheit“. Besonders wichtig hierbei sei ein gesicherter Rechtsanspruch für Kinder auf Integration: „Der unwürdige Bettelgang der Eltern um einen Integrationsplatz muss ein Ende haben“, so Korter. Sie kritisierte, dass die CDU/FDP Koalition im Landtag das Thema auf die lange Bank schiebe. Die Grünen wollen, dass Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen, Sprache und Emotionale und Soziale Entwicklung schrittweise abgeschafft und in allgemeine Schulen integriert werden. Nur in bestimmten Förderbereichen solle auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern Unterricht an einer Förderschule weiterhin möglich sein. Für Korter gibt es viele Argumente, um vom bisherigen Schulsystem der „Sonderschulen“ abzukehren. Die Politikerin führt aber besonders an, dass Förderbedürftige erst in der gemeinsamen Beschulung mit leistungsstärkeren Kindern ihr volles Potential abrufen würden.
Auch für Rachid Aliturki, Mitglied im Kreiselternrat, ist dies ein wichtiges Argument: „Die Schüler können sich so gegenseitig mitziehen.“ Für lernstarke Schüler biete das Modell ebenso Chancen. Begabte Schüler würden in jungen Jahren bereits ein hohes Maß an sozialer Kompetenz erwerben, führte Aliturki aus. Andreas Viehoff, Leiter der Cornelius-Schule in Georgsmarienhütte machte deutlich, dass man nicht warten wolle, bis die Politik reagiere. In Georgsmarienhütte sei man schon dabei, ein Konzept für eine inklusive Beschulung auf kommunaler Ebene zu erarbeiten.
Der Landesbehindertenbeauftragte Karl Finke machte deutlich, dass Inklusion nicht nur auf den Bildungsbereich beschränkt werden dürfe: „Inklusion muss eine Blaupause für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung sein.“ Es sei wichtig, dass sich die Gesellschaft mehr für Menschen mit Behinderung öffne, so Finke. Es müsse einen intensiven Dialog geben, um Ängste in der Gesellschaft abzubauen. Und zwar sofort, schließlich sei „Inklusion die Zukunftssicherung unserer Kinder“, so Finke abschließend. Landtagsabgeordnete Filiz Polat resümierte: „Nach dem großen Zuspruch für unsere Veranstaltung bin ich mir sicher, dass Osnabrück gute Voraussetzungen hat, sich schon jetzt mit der inklusiven Schule zu befassen.“